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Neu im Job?

Ein Realitätscheck für das erste Jahr der Selbstständigkeit

Neu im Job?
Foto: iStock.com/filadendron

Rund 450 Kreative in der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation wagen pro Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit.  

Das Angebot steht, die Motivation ist hoch, die ersten Projekte sind da. Und doch zeigt sich im Alltag schnell: Selbstständig zu sein bedeutet mehr, als die eigene Leistung gut zu beherrschen. Es bedeutet, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu tragen und Strukturen aufzubauen, die nicht von heute auf morgen sichtbar werden.

Gerade im ersten Jahr stellt sich daher weniger die Frage: „Bin ich gut genug?“ als vielmehr: „Habe ich an alles gedacht?“. Genau diese Frage taucht meist nicht in ruhigen Momenten auf, sondern dann, wenn es plötzlich ernst wird: wenn Kundinnen und Kunden sich mit dem Bezahlen der Rechnung mehr als nötig Zeit lassen, wenn ein Projekt anders läuft als vereinbart oder wenn Unsicherheiten bei Angeboten, AGB oder Nutzungsrechten auftauchen. 

Viele Themen wirken anfangs wie Kleinigkeiten, bis sie Zeit, Geld und Nerven kosten. Wer hier früh Klarheit schafft, erspart sich später mühsame Diskussionen und kann sich wieder auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht: gute Arbeit, zufriedene Auftraggeberinnen und Auftraggeber und ein Business, das langfristig trägt. 

5 Fragen zur Standortbestimmung:

1) Wofür stehe ich – wirklich?
Eine der zentralen Fragen zu Beginn lautet: Ist es klar, wofür ich beauftragt werden will? Viele starten breit, offen für alles. Das ist verständlich. Gleichzeitig entsteht dadurch oft Un-schärfe, nach außen wie nach innen. 

Kann ich meine Leistung in einem Satz erklären?

  • Verstehen auch Menschen außerhalb der Branche und potenzielle Kundin-nen und Kunden, was ich anbiete?
  • Weiß ich, wofür ich nicht stehen möchte?

Unklare Positionierung führt selten zu besseren Aufträgen, sondern meist zu mehr Erklärungsbedarf. Wer hier nachschärft, gewinnt nicht nur Klarheit für andere, sondern auch für sich selbst.

2)    Finden mich die Richtigen?
Sichtbarkeit ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist nicht, ob man sichtbar ist, sondern für wen.

  • Wissen die richtigen Menschen, dass es mich gibt?
  • Passt meine Außendarstellung zu dem, was ich tatsächlich leiste?
  • Bin ich dort präsent, wo meine Kundinnen und Kunden Entscheidungen treffen?

Gerade zu Beginn entsteht schnell der Eindruck, überall gleichzeitig sein zu müssen. In Wahrheit reicht oft weniger, wenn es bewusst gewählt ist – und wenn es genau die Menschen erreicht, die wirklich zu den eigenen Leistungen, Preisen und Arbeitsweisen passen. Wer gezielt sichtbar wird, spart nicht nur Zeit und Budget, sondern baut Schritt für Schritt eine Präsenz auf, die Vertrauen schafft und Anfragen wahrscheinlicher macht.

3) Ist mein Angebot tragfähig?
Ein Punkt, der gerne verdrängt wird, ist die wirtschaftliche Seite der Selbstständigkeit. Nicht aus Unwissen, sondern aus Unsicherheit.

  • Sind meine Preise realistisch kalkuliert?
  • Decken sie nicht nur Projekte, sondern auch Ausfallzeiten, Akquise und Weiterentwicklung?
  • Weiß ich, ab wann sich ein Auftrag für mich lohnt – und ab wann nicht?

Wer diese Fragen nicht stellt, bezahlt dies oft später mit Überlastung. Wirtschaftlichkeit ist kein Gegensatz zu Kreativität, sondern ihre Voraussetzung.

4) Habe ich die Grundlagen geklärt?
Rechtliches, Verträge, Absicherung – Themen, die selten Begeisterung auslösen. Und doch gehören sie zur Realität der Selbstständigkeit.

  • Weiß ich, worauf ich achten muss?
  • Habe ich die wichtigsten Basics geklärt?
  • Oder hoffe ich, dass schon nichts passieren wird?

Hier geht es nicht um Perfektion, sondern um Bewusstsein. Wer seine Lücken kennt, kann gezielt nachfragen und rechtzeitig gegensteuern, bevor aus einem kleinen „Wird schon passen“ ein großes Problem wird. Und genau das schafft die Sicherheit, die man braucht, um sich auf die Arbeit zu konzentrieren.

5) Allein unterwegs oder gut vernetzt?
Selbstständig heißt nicht automatisch isoliert. Austausch, Netzwerke und Gespräche auf Augenhöhe sind gerade am Anfang wertvoll.

  • Weiß ich, an wen ich mich mit Fragen wenden kann?
  • Nutze ich vorhandene Angebote oder versuche ich, alles selbst zu klären?
  • Habe ich Menschen, die meine Situation verstehen?

Viele Herausforderungen werden leichter, wenn man merkt, dass man nicht die oder der Einzige ist.

Wer sich im ersten Jahr Zeit nimmt, die eigenen Grundlagen zu reflektieren, schafft Orientierung – nicht nur für den Moment, sondern für die nächsten Schritte. Denn Selbstständigkeit wächst nicht über Nacht, sondern mit jeder klaren Entscheidung, jedem sauber aufgesetzten Angebot und jeder Erfahrung, aus der man lernt. Wer früh Strukturen schafft, typische Stolpersteine kennt und sich gezielt Unterstützung holt, arbeitet nicht nur sicherer, sondern auch entspannter. Und genau das ist oft der entscheidende Unterschied zwischen „irgendwie durchkommen“ und langfristig erfolgreich selbstständig sein.