Von SEO zu GEO
Die Evolution der Suche im KI-Zeitalter

„SEO ist tot.“ Diesen Satz liest man an vielen Stellen, in Blog-Posts, auf LinkedIn, in Agentur-Pitches. Und so ganz stimmt er nicht. Aber er trifft etwas Richtiges: Die Suche verändert sich. Und mit ihr die Spielregeln für alle, die online gefunden werden wollen.
SEO ist nicht (nur) Google. In dem Begriff SEO kommt nicht einmal das Wort Google vor. Es stand lange für Search Engine Optimization, also die Optimierung, um in Suchmaschinen besser gefunden zu werden. Heute wird aber längst nicht mehr nur in klassischen Suchmaschinen gesucht. Wer heute nur für das „klassische Google“ optimiert, denkt zu kurz. Die relevante Frage lautet: Wo sucht meine Zielgruppe? Und bin ich dort auffindbar?
Neben Google wird heute an vielen anderen Orten gesucht: ChatGPT hat über 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzerinnen und Nutzer. TikTok ist für viele Zielgruppen längst zur Suchmaschine geworden, besonders für Inspiration und Produktrecherche.
Gleichzeitig ist Google weit mehr als die klassische Textsuche. Google Lens wird monatlich für über 20 Milliarden visuelle Suchanfragen verwendet, wovon jede vierte eine Kaufabsicht hat. Und mit über fünf Billionen Suchanfragen pro Jahr ist Google nach wie vor die meistgenutzte Suchplattform der Welt. Kundenprojekte aus meiner Praxis zeigen das konkret: In bestimmten Branchen konnte konsequente SEO-Arbeit innerhalb des letzten Jahres sowohl Klicks als auch Umsatz über die organische Suche im sechsstelligen Bereich steigern. Entscheidend dabei: Es kommt stark auf die Branche und die Themen an. Es ist also keine Entweder-oder-Entscheidung: SEO steht heute für Search Every-where Optimization. Dort präsent sein, wo gesucht wird.
Viele Suchanfragen sind heute keine Keywords mehr, sondern Prompts. Menschen beschreiben eine Situation und erwarten eine kontextsensitive Antwort.
Was sich wirklich verändert hat: Google ist AI Search
Sundar Pichai, CEO von Google, hat es auf der Google I/O 2026 schlicht und ohne Ausrufezeichen auf den Punkt gebracht: „Google Search is AI Search.!“ Kein zukünftiger Zustand, sondern eine Beschreibung der Gegenwart. Die Suchergebnisseite ist nicht mehr das, was sie war. Google spielt zu einigen Themen zunehmend AI Overviews aus. Wer früher auf Position 1 stand, bekam den Klick. Heute liefert Google die Antwort oft selbst. Diese Zero-Click-Such-anfragen nehmen durch KI-generierte Antworten weiter zu.
Bei komplexen Anfragen baut Google in Echtzeit eigene interaktive Layouts direkt in die Suchergebnisse, sogenannte Generative UI. Wer einen Umzug plant, be-kommt keinen Linkblock, sondern einen generierten Planer. Die Frage ist dann nicht mehr „Welches Ergebnis klickt die Nutzerin oder der Nutzer?“, sondern ob sie oder er überhaupt noch eine externe Seite braucht. Die Art zu suchen verändert sich ebenfalls. Viele Suchanfragen sind heute keine Keywords mehr, sondern Prompts. Menschen beschreiben eine Situation und erwarten eine kontextsensitive Antwort. Dazu kommt Hyperpersonalisierung: Gemini kennt den Kontext aus früheren Ge-sprächen, bezieht Gmail, Kalender und Maps ein und lernt nicht nur, was jemand will, sondern wer jemand ist. Sichtbarkeit ist damit keine Position mehr, sondern eine Wahrscheinlichkeit in einem individuellen Modell. KI-Systeme entscheiden auf Basis von Vertrauen, Struktur und Relevanz, welche Inhalte sie zitieren.
Wofür steht GEO?
GEO steht für Generative Engine Optimization. Andere Namen sind AEO (Answer Engine Optimization), LLMO oder AI SEO. Im Grunde geht es darum, für KI-Systeme eine vertrauenswürdige, zitierbare Quelle zu sein. Dabei ist Quellenstabilität keine Selbstverständlichkeit. Eine SISTRIX-Analyse von über 82.000 Prompts über 17 Wochen zeigt: Im Google AI Mode werden wöchentlich 56 Prozent der zitierten Quellen ausgetauscht, bei ChatGPT sogar 74 Prozent. Wer heute in einer KI-Antwort vor-kommt, kann nächste Woche schon wieder verschwunden sein. Das macht kontinuierliche Inhaltsarbeit wichtiger denn je.
Was bedeutet das jetzt für eine Marke und Website?
- Evergreen Content verliert an Bedeutung: Glossare, oberflächliche „Was-ist-Artikel“ werden zunehmend direkt von KI beantwortet.
- Struktur und Lesbarkeit sind das A und O: Ein KI-System kann nur verwenden, was es versteht. Klar gegliederte, semantisch eindeutige, technisch saubere Inhalte werden bevorzugt.
- JavaScript-lastige Seiten sind ein Risiko: LLMs sparen Ressourcen – was nicht gelesen werden kann, wird nicht zitiert.
- Autorität und Trust sind entscheidend: Backlinks und externe Erwähnungen sind wichtig als Signal für Glaubwürdigkeit. Brandbuilding und PR sind wichtige Faktoren in der AI Search.
Maßnahmen, die jetzt zählen
1) Inhalte zitierfähig machen: Klare Struktur sowie antwortbasierte und relevante Inhalte sind wichtig, um als Quelle für KI-Antworten infrage zu kommen. Themen müssen ganzheitlich und von Expertinnen und Experten beleuchtet werden.
2) Messbarkeit neu denken: Keyword-Rankings bleiben (noch) relevant. Die Klicks werden aber weniger und man muss sich fragen, in welchen KI-Antworten man mit welchem Sentiment erscheint. Das erfordert Prompt-Tracking und neue Metriken, z. B. Mentions in KI-Systemen.
3) Die eigene Website als Datenquelle verstehen: Informationen auf einer Website müssen korrekt ausgelesen werden können. Ein sauberes technisches Set-up sowie die vollständige Bereitstellung und Auszeichnung von Daten, z. B. Produktdaten in einem Onlineshop, sind wichtig.
Google I/O 2026
AI Overviews erreichen inzwischen über 2,5 Milliarden monatliche Nutzerinnen und gewonnen, mit Anfragen, die sich Quartal für Quartal verdoppeln. Die Suche insgesamt ist laut Google auf Allzeithoch: Menschen suchen nicht weniger, weil KI antwortet, sie suchen mehr, weil sie verstehen, dass sie mehr fragen dürfen. Neben den Entwicklungen innerhalb der Google-Suche, AI Overviews und KI-Modus, hat Google unter anderem auch Veränderungen im Bereich Shopping angekündigt: Agentic Commerce verändert das Shopping-Erlebnis grundlegend. Es wird einen über-greifenden Check-out direkt in der Suche geben. Der neue universelle Einkaufswagen bündelt das alles in einem intelligenten, plattformübergreifenden Warenkorb: Produkte lassen sich hinzufügen, während man in der Google-Suche unterwegs ist, mit Gemini chattet, YouTube schaut oder E-Mails in Gmail liest. Im Hintergrund sucht der Warenkorb automatisch nach Angeboten, zeigt Preisentwicklungen an und warnt proaktiv vor Produkt-Inkompatibilitäten, z. B. wenn PC-Komponenten von verschiedenen Händlerinnen und Händlern nicht zusammenpassen.
Fazit: Sie müssen da gefunden werden, wo Ihre Zielgruppe ist!
Die Bezeichnung ist zweitrangig. Was zählt: Wer heute nur an die klassische Suche denkt, verliert Sichtbarkeit. GEO und SEO gehören zusammen, denn Google ist AI Search, und SEO ist Search Everywhere Optimization. Die entscheidende Frage hat sich nicht verändert: Findet meine Zielgruppe mich dort, wo sie sucht? Neu ist, welche Plattformen das sind und wie die Antworten dort aussehen.
